No Image

Zum letzten Vortrag der Veranstaltungsreihe des Jungen Forums im Wintersemester gab es den Vortrag – Esoterik und Antisemitismus mit Ansgar Martins.

In seinem Vortrag analysierte Ansgar Martins den Zusammenhang von Esoterik, Antisemitismus und Verschwörungstheorien. Esoterisches Denken sei zwar nicht notwendigerweise antisemitisch, biete aber aufgrund seiner inneren Logik eine gewisse Prädisposition für verschwörungs-theoretische Welterklärungsmuster, welche in Antisemitismus umschlagen können. Das esoterische Weltbild, obwohl schwer einzugrenzen, zeichne sich zumeist durch den Glauben an eine deterministische Ganzheitlichkeit und eine kosmische Harmonie aus. Insbesondere in Krisenzeiten kollidiere diese Weltsicht mit der Realität.

Esoterische Versuche zu erklären, warum bei prinzipieller Harmonie dennoch Schlimmes auf der Welt geschieht, würden häufig in eine Feindabwehr umschlagen, welche das Böse personifiziert und mit einem Bewusstsein ausstattet. Projektionsfläche seien hierbei historisch in Europa nahezu immer die Juden gewesen.

Ansgar Martins zeichnete weiterhin die Konvergenz von Esoterik, Verschwörungsdenken und Antisemitismus historisch anhand der Texte zahlreicher Autoren vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach und kritisierte den Diskurs um die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Zwar habe es führende Nationalsozialisten gegeben, die auch Esoteriker gewesen seien, dies habe aber eine Ausnahme dargestellt. Der Versuch, die Nationalsozialisten auf Esoterik zu reduzieren, würde ihre Ansichten exotisieren. Diese seien aber in Deutschland weit verbreitet gewesen.

Der Referent promovierte in Frankfurt am Main zur Philosophie Siegfried Kracauers und hat zu den Themen Kritische Theorie, Religion und Moderne Esoterik publiziert. Es waren etwa 25 Gäste anwesend, die sich nach dem Vortrag noch rege an einer Diskussion der vorgestellten Thesen beteiligten.“